Kommunalpolitik im Zeichen des demographischen Wandels
Gerade auf kommunaler Ebene entscheidet sich, wie lebensnah und wirksam Politik ist. Hier erleben Bürgerinnen und Bürger unmittelbar, ob ihre Anliegen gehört werden.
Die Kommunalwahlen im März 2026 haben daher eine besondere Bedeutung.
Handlungsfähigkeit der Kommunen sichern
Bayerns Kommunen stehen vor großen Herausforderungen:
steigende Sozial- und Pflegeausgaben
wachsende Investitionsbedarfe
sinkende Steuereinnahmen
zusätzliche Aufgaben in Integration, Klimaschutz und Infrastruktur
Um ihre Aufgaben erfüllen zu können, brauchen die Kommunen:
🔹 Stabile finanzielle Grundlagen
Eine stärkere Beteiligung am Steuerverbund sowie eine vollständige Finanzierung übertragener Aufgaben durch Bund und Länder sind notwendig, um die kommunale Selbstverwaltung zu sichern.
🔹 Digitalisierung mit Augenmaß
Digitale Verwaltungsangebote sollen Prozesse vereinfachen und beschleunigen. Gleichzeitig müssen analoge Zugänge und persönliche Ansprechpartner erhalten bleiben – niemand darf durch Digitalisierung ausgeschlossen werden.
🔹 Bürokratieabbau
Vereinfachte Verfahren, reduzierte Standards und schnellere Genehmigungsprozesse stärken die kommunale Handlungsfähigkeit.
🔹 Nachhaltige Stadtentwicklung
Bezahlbarer Wohnraum, barrierefreies Wohnen, sparsamer Flächenverbrauch und Anpassung an den Klimawandel sind zentrale Zukunftsaufgaben.
Sieben Forderungen für eine seniorengerechte Kommunalpolitik
Die Senioren-Union formuliert sieben konkrete Handlungsfelder, die die Lebensqualität älterer Menschen nachhaltig verbessern sollen.
1️⃣ Demographischen Wandel aktiv gestalten
Kommunale Entwicklungsplanung muss altersfreundlich und generationengerecht ausgerichtet sein.
Seniorenpolitische Gesamtkonzepte dürfen nicht nur auf dem Papier stehen – sie müssen als strategische Grundlage dienen und konsequent umgesetzt werden.
Daseinsvorsorge, Infrastruktur und Stadtentwicklung müssen sich an einer älter werdenden Bevölkerung orientieren.
2️⃣ Altersgerechtes Wohnen fördern
Selbstbestimmtes Wohnen im Alter ist ein zentrales Anliegen.
Dazu gehören:
Barrierearme und barrierefreie Wohnungen
Wohnortnahe Versorgung mit Ärzten, Apotheken, Einkaufsmöglichkeiten
Ambulant betreute Wohngemeinschaften
Mehrgenerationenhäuser
Förderprogramme für altersgerechten Umbau müssen stärker genutzt und beworben werden.
3️⃣ Mobilität sichern – auch im ländlichen Raum
Mobilität bedeutet Teilhabe.
Ein leistungsfähiger ÖPNV mit:
barrierefreien Haltestellen
gut erreichbaren Linien
angemessener Taktung
seniorengerechten Tarifen
ist unverzichtbar.
Ergänzend sollen Seniorenfahrdienste, Bürgerbusse und mobile Versorgungsangebote die Mobilität stärken – besonders im ländlichen Raum.
4️⃣ Gesundheit und Pflege stärken
Gesundheit und Pflege sind Schlüsselthemen einer älter werdenden Gesellschaft.
Notwendig sind:
Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung
Ausbau ambulanter und stationärer Pflegeangebote
Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel
Einrichtung von Pflegestützpunkten
Aufbau von Demenz-Netzwerken
Steigende Pflegekosten belasten sowohl Pflegebedürftige als auch Kommunen. Hier braucht es strukturelle Lösungen.
5️⃣ Soziale Teilhabe und Ehrenamt ausbauen
Soziale Isolation darf kein Bestandteil des Alters sein.
Deshalb sind wichtig:
Seniorenbeiräte als Beteiligungsorgane
Begegnungsstätten und Seniorentreffs
Nachbarschaftshilfen
Stärkung des Ehrenamts
Kommunen können durch gezielte Förderung und Koordination das gesellschaftliche Engagement älterer Menschen unterstützen.
6️⃣ Digitale Kompetenz fördern
Digitale Teilhabe ist Voraussetzung für gleichberechtigte Mitwirkung.
Benötigt werden:
Schulungsangebote (z. B. VHS, Mehrgenerationenhäuser)
Unterstützung beim Umgang mit digitalen Verwaltungsdiensten
Erprobung digitaler Assistenzsysteme und Telemedizin
Digitalisierung darf nicht ausgrenzen, sondern muss befähigen.
7️⃣ Sicherheit erhöhen
Ältere Menschen benötigen besonderen Schutz.
Dazu gehören:
Aufklärung über Betrugsmaschen (Enkeltrick, Fake-Polizei)
Altersgerechte Verkehrssicherheit im öffentlichen Raum
Verstärkter Katastrophenschutz (Hitze, Stromausfälle, Starkregen)
Kommunale Sicherheitspolitik muss die besonderen Lebenssituationen älterer Menschen berücksichtigen.
Unterstützung durch Bund und Freistaat Bayern
Die Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Land und Bund ist entscheidend.
Vom Bund werden erwartet:
Vollständige Finanzierung übertragener Aufgaben
Investitionsprogramme für Infrastruktur
Reform der Steuerverteilung zugunsten der Kommunen
Sicherung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land
Vom Freistaat Bayern werden begrüßt:
Stärkung des kommunalen Finanzausgleichs
Förderung von Städtebau und Wohnraum
Investitionen in Klimaschutz und Infrastruktur
Beschleunigung von Bau- und Genehmigungsverfahren
Digitalisierung der Verwaltung
Appell: Der Politik ein Gesicht geben
Kommunalpolitik lebt von Persönlichkeiten vor Ort.
Die Senioren-Union ruft ihre Mitglieder in ganz Bayern dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv für kommunale Mandate zur Verfügung zu stellen.
Bürgernähe, Erfahrung und Engagement sind entscheidende Stärken einer seniorengerechten Politik.